»Draußen brennt der Tempel. Das ist auch ein Gotteshaus.«

Foto: Wikipedia
05. November
19:00 – 21:00

Vortrag von Christian Feldmann zum 75. Todestag von Dompropst Bernhard Lichtenberg

Seit in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagogen brannten, betete Bernhard Lichtenberg (1875-1943) in der täglichen Abendandacht öffentlich "für die Priester in den Konzentrationslagern, für die Juden, für die Nichtarier". Lichtenberg, 1875 im niederschlesischen Ohlau (heute Oława) geboren, 1899 zum katholischen Priester geweiht, tat dies an prominenter Stelle: in der St. Hedwigs-Kathedrale im Herzen der "Reichshauptstadt", in Rufweite zum Machtzentrum der NS-Diktatur. Der Geistliche war den NS-Größen längst als kompromissloser Gegner bekannt. In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung war er schon Ende der 1920er-Jahre heftig mit dem späteren Minister Goebbels aneinandergeraten. Seit 1933 immer wieder drangsaliert, blieb er durch Protestschreiben und andere Bekenntnisakte den Machthabern ein dauerndes Ärgernis. Vielen Verfolgten leistete er praktische Hilfe. Im Oktober 1941 verhaftet, wurde der er im Mai 1942 wegen "Kanzelmißbrauchs" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, im Anschluss sollte er im Konzentrationslager Dachau in Haft bleiben. Er starb während des Transports dorthin. 1996 wurde er seliggesprochen, seit 2005 wird Lichtenberg in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

Der bekannte Theologe und Publizist Christian Feldmann hat u. a. auch über Edith Stein, Alfred Delp, Elie Wiesel geforscht.

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