Prof. Dr. Stefan Creuzberger
13. Mai, 19:00 - 21:00

Vom Umgang mit der NS-Vergangenheit. Eine deutsch-deutsche Perspektive

Prof. Dr. Stefan Creuzberger im Gespräch mit Dr. Sabine Grabowski 

Zu den bis heute kontrovers diskutierten Aspekten der frühen Bundesrepublik bis…

Prof. Dr. Stefan Creuzberger im Gespräch mit Dr. Sabine Grabowski 

Zu den bis heute kontrovers diskutierten Aspekten der frühen Bundesrepublik bis Anfang der 1970er-Jahre gehört der Umgang mit der NS-Vergangenheit. Speziell an den personalpolitischen Facetten dieser Thematik scheiden sich immer noch die Geister: War es richtig, dass die ersten Bundesregierungen und insbesondere auch Konrad Adenauer als erster Bundeskanzler für die Besetzung vieler Stellen in den Ministerien und Ämtern auf altes Personal aus den Reichs- und Länderbürokratien der Weimarer Republik und des NS-Staats zurückgriffen? Man denke beispielsweise an den Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte Theodor Oberländer. 

Während derartige Fragen für die Anfänge der Bundesrepublik mittlerweile recht genau erforscht sind, weiß man über personelle Kontinuitäten und Brüche beim Aufbau der Bürokratie in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR sehr viel weniger. Über mögliche Wechselwirkungen zwischen Ost und West bei der administrativen Neugründung der beiden Teilstaaten im Sinne einer deutsch-deutschen Verflechtungsgeschichte macht sich die Forschung überhaupt erst seit kurzem intensiver Gedanken. 

Das 70. Jubiläumsjahr der beiden Staatsgründungen bietet darüber hinaus auch einen Anlass, einmal näher zu beleuchten, wie Bundesrepublik und DDR mit der Erinnerung an den Vernichtungskrieg im Osten umgingen. Welche Positionen bezogen sie gegenüber der Sowjetunion und welche Veränderungen in der Gedenkkultur brachte schließlich die Vereinigung der beiden deutschen Staaten mit sich?