14. Mai, 19:00 - 21:00

Stefan Andres: Das Tier aus der Tiefe

Vortrag von Prof. Dr. Michael Braun

Das »Tier aus der Tiefe« ist der erste Teil von Stefan Andres’ (1906–1970) über 2000 Seiten starker…

Vortrag von Prof. Dr. Michael Braun

Das »Tier aus der Tiefe« ist der erste Teil von Stefan Andres’ (1906–1970) über 2000 Seiten starker Romantrilogie »Die Sintflut«, einem ungewöhnlich umfangreichen Projekt in der Literaturlandschaft der Nachkriegszeit. Andres, dessen Ehefrau nach den Kategorien der NS-Rassenlehre als »Halbjüdin« galt, führte ab 1933 nach antisemitischen Angriffen gezwungenermaßen ein unstetes Wanderleben. Seit 1937 befand er sich mit seiner Familie in Italien in einer freilich niemals ganz sicheren Emigration. Dort begann er mit der Arbeit an der Trilogie. Darin beschreibt Andres in allegorischer Form Entstehung und Folgen eines totalitären Herrschaftssystems – unschwer erkennbar als unmittelbare Zeitdiagnose. Für Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Michael Braun, der das biographische Standardwerk über Stefan Andres geschrieben hat, ist der Roman ein »episches Massiv«, in dem sich alle wichtigen Themen und Positionen des Autors finden. Er führt durch den Abend und gibt einen Einblick in die Publikation des Gründungsjahrs der Bundesrepublik.

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Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "1949. Die Bestseller der jungen Bundesrepublik Deutschland.":

Mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wurde nicht nur der westdeutsche Staat gegründet. Durch den nunmehr geltenden Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungs-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit) fielen auch die Zensurbestimmungen auf dem (west-)deutschen Buchmarkt erstmals seit 1933 weg.

Die Veranstaltungsreihe richtet den Blick auf Bücher von fünf Autoren, die 1949 erschienen sind und die sich in ihrer vorausgegangenen Haltung zum NS-Regime deutlich voneinander unterschieden. Heinrich Böll (1917–1985) und Arno Schmidt (1914–1979) waren beide als junge Männer zum Kriegsdienst einberufen worden, was auch ihr Nachkriegsschaffen prägte. Stefan Andres (1906–1970) war bereits 1933 nach Italien emigriert und verarbeitete seine Erfahrungen daraus. Ernst Jünger (1895–1998) versuchte sich der Vereinnahmung durch das NS-Regime zu entziehen und Thomas Mann (1875–1955) schließlich, der Älteste in der Runde, war zur bedeutendsten literarischen Leitgestalt des Exils avanciert. Mit welchen Büchern traten diese Autoren erstmals in der Bundesrepublik vor das Publikum? Dieser und anderen Fragen gehen die Referenten nach.

Eine Vortragsreihe in Kooperation mit dem Literaturbüro NRW