Wie an Gräueltaten erinnern in einem von Krieg erfassten Land? Am 29./30. September 1941 ereignete sich eines der schlimmsten Massaker des Zweiten Weltkriegs verübt an Juden von der deutschen Wehrmacht durch Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der Schlucht von Babyn Yar auf dem heutigen Gebiet der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Der Angriff der russischen Armee im Frühjahr 2022 auf den Gedenkpark Babyn Yar erscheint wie ein weiterer Versuch, die Erinnerung an die Vernichtung der Juden auszulöschen.
Dr. Anatoly Podolsky ist Direktor des »Ukrainischen Zentrum für Holocaust-Studien« (UZHS). Er ist Autor und Herausgeber von Studienmaterialien zum Thema Holocaust für Lehrerinnen und Lehrer ukrainischer Schulen und Leiter von Studienseminaren über die Geschichte des Völkermords am jüdischen Volk in der Ukraine. Das UZHS ist eine 2002 gegründete Nichtregierungsorganisation und konzentriert sich als Partner zahlreicher internationaler akademischer und pädagogischer Einrichtungen auf die Erforschung und Vermittlung des Holocaust. Das Zentrum arbeitet mit Lehrern zusammen, organisiert Schülerwettbewerbe und fördert die Erstellung von Lehrplänen und Handbüchern über den Holocaust.