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Lew Kopelew und Heinrich Böll – eine russisch-deutsche Freundschaft im Spannungsfeld des Kalten Krieges.

Kommentierte Lesung mit Elsbeth Zylla u. a.

»Bitte, bitte sehr, vergiß uns nicht.«

Gelegentlich klangen die Bitten Lew Kopelews geradezu flehentlich. Schon bei ihrer ersten persönlichen Begegnung im Rahmen einer Moskau-Reise Heinrich Bölls im September 1962 hatten die beiden spontan Freundschaft geschlossen. Das war keineswegs selbstverständlich, denn der Schriftsteller Böll, Jahrgang 1917, und der fünf Jahre ältere Germanist und Literaturwissenschaftler Kopelew hatten sich im Zweiten Weltkrieg als Soldaten gegenübergestanden, der eine in Hitlers Wehrmacht, der andere in Stalins Roter Armee. Beide indes waren zeitlebens von ihren traumatischen Kriegserlebnissen geprägt, das Entsetzen ließ sie nie wieder los – und so teilten sie den Wunsch nach Versöhnung als eine wesentliche Grundlage ihrer Beziehung zueinander. Ihr freundschaftlicher Kontakt fand über weite Strecken brieflich statt, da die Weltpolitik im Zeichen des Kalten Krieges stand und Reisen Bölls in die Sowjetunion schwierig, Reisen Kopelews in die Bundesrepublik Deutschland unmöglich waren. Kopelew, der sich immer deutlicher zum Gegner der kommunistischen Diktatur in der Sowjetunion entwickelte und daher mit seiner Familie, aber auch seinem Freundeskreis vielfachen Repressionen ausgesetzt war, bat Böll immer wieder um Unterstützung – und der ließ es daran nie fehlen, öffentlich und nicht-öffentlich. Bölls Stimme hatte Gewicht, nicht erst seit ihm 1972 der Literaturnobelpreis zuerkannt worden war. So spiegelt ihr Briefwechsel, der auch über Kopelews Zwangsausbürgerung aus der Sowjetunion Anfang 1981 hinweg bis zu Bölls frühem Tod im Juni 1985 andauerte, das Bemühen durch persönlichen Austausch überkommene Stereotypen von »den Deutschen« und »den Russen« zu überwinden und Wege zum Frieden zu finden.

Niemand kennt den Briefwechsel, seine Entstehung und seine Kontexte besser als die Germanistin und Politikwissenschaftlerin Elsbeth Zylla, die ihn vor einigen Jahren veröffentlicht und kommentiert hat. In der Veranstaltung werden auch ausgewählte Textstellen vorgetragen.

In Kooperation mit: Literaturbüro NRW und Heinrich-Böll-Stiftung NRW

Veranstalter: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus | Deutsch-osteuropäisches Forum

Das Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum (früher „Haus des Deutschen Ostens“) ist Sitz der gleichnamigen Stiftung und befindet sich an der Bismarckstraße 90 in Düsseldorf. Der Bau wurde von Walter Kroner und Bruno Lambart von 1960 bis 1962 erbaut. Die Stiftung dient der Auseinandersetzung mit der europäischen und deutschen Zeitgeschichte und weist eine umfangreiche Spezialbibliothek zur Geschichte Ostmittel- und Osteuropas auf.

weitere Informationen: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus | Deutsch-osteuropäisches Forum