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Gerhardt von Reutern (1794–1865)
Gerhardt von Reutern (1794–1865)
 

Gerhardt von Reutern (1794–1865) – Ein Lebensbild.

Buchvorstellung und Lesung mit Dr. Bernhard Lauer

Der 16. Oktober 1813 bedeutete im Leben des damals erst 19-jährigen Gerhardt von Reutern einen tiefen Einschnitt. Geboren auf einem Gutshof etwa 60 Kilometer südwestlich des damals livländischen (heute estnischen) Dorpat (heute Tartu), diente er als Kavallerieoffizier in der Armee von Zar Alexander I. (1777–1825). Er hatte also einen Weg eingeschlagen, den viele Angehörige des baltendeutschen Adels wählten. In der »Völkerschlacht« bei Leipzig, in der die russische Armee mit den verbündeten preußischen und österreichischen Truppen gegen die Armee des französischen Kaisers Napoleon I. (1769–1821) und deren Alliierte kämpfte, wurde Gerhardt von Reutern schwer verwundet. Der rechte Arm musste amputiert werden. Bemerkenswert ist, dass von Reutern bereits während der längeren Genesungszeit begann, das Zeichnen und Malen mit der linken Hand zu üben. Zeitweilig als Rekonvaleszent in Weimar lebend, bestärkte ihn Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), mit dem er Bekanntschaft geschlossen hatte, in seiner Neigung zur Malerei. Vorerst verblieb von Reutern allerdings im russischen Militärdienst. Nach seinem Abschied (1820) zeigte es sich, dass von Reutern das ererbte livländische Gut aus gesundheitlichen Gründen nicht dauerhaft selbst bewirtschaften konnte. Daher nahm er schließlich 1828 zunächst an der Kasseler Kunstakademie sein Studium auf, das er seit 1834 an der Düsseldorfer Kunstakademie fortsetzte. Dort unterrichtete ihn Wilhelm von Schadow (1788–1862) im Fach Malerei. Zunehmend erfolgreich, wurde von Reutern 1837 durch Zar Nikolaus I. (1796–1855) der Titel eines kaiserlichen Hofmalers verliehen. Inzwischen Familienvater, reiste von Reutern viel, bis er sich 1844 in Frankfurt am Main niederließ, wo er 1865 starb. Werke Gerhardt von Reuterns sind heute u. a. im Goethehaus in Weimar, in der Neuen Galerie in Kassel und in der Eremitage in St. Petersburg zu sehen.

Der ungewöhnliche Lebensweg des baltendeutschen Adeligen Gerhardt von Reutern ist jetzt erstmals umfassend dargestellt und sein künstlerisches Schaffen eingehend gewürdigt worden. Dr. Bernhard Lauer hat frühere Veröffentlichungen über von Reutern kritisch bearbeitet, kommentiert und neu herausgegeben.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und der Brüder-Grimm-Gesellschaft e. V.