Frankfurt am Main, 9. November 1952: Thomas Mann (1875–1955), der Nobelpreisträger von 1929, spricht über den Preisträger von 1912, nämlich Gerhart Hauptmann (1862–1946). Hauptmann war sechs Jahre zuvor verstorben, Mann folgte einer Bitte der Witwe Margarete Hauptmann (1875–1957), die den Verblichenen anlässlich seines 90. Geburtstages gewürdigt wissen wollte. Beide Dichter waren durch eine langjährige persönliche Bekanntschaft verbunden gewesen, die gewiss nicht Freundschaft genannt werden kann. Beide sahen sich selbst als den literarischen Repräsentanten Deutschlands schlechthin, spätestens seit Mann seinerseits den Literaturnobelpreis erhalten hatte. 1933 schlugen beide nach der Installierung der NS-Diktatur auch politisch sehr unterschiedliche Wege ein: Hauptmann blieb in Deutschland, ließ sich vom Regime teils hofieren, wurde aber von den NS-Machthabern auch beargwöhnt. Thomas Mann verließ – zunächst sehr unwillig und dem dringenden Rat seiner erwachsenen Kinder folgend – Deutschland und emigrierte schließlich in die USA. Dort wirkte er als prominentester literarischer Vertreter der NS-feindlichen deutschen Emigration. Den in Deutschland verbliebenen literarischen Kolleginnen und Kollegen stand Mann generell äußerst distanziert gegenüber, dauerhaft in seine Heimat zurückkehren wollte er keinesfalls.
Thomas Mann stand also im Herbst 1952, besuchsweise in Deutschland weilend, vor einer heiklen Aufgabe. Wie er diese gelöst hat, analysiert Prof. Dr. Joachim Rickes (Humboldt-Universität Berlin). Prof. Rickes gilt seit Jahrzehnten als einer der besten Kenner von Leben und Werk Thomas Manns.
Eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und Thomas-Mann-Gesellschaft Düsseldorf e. V.
