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Marie-Luise Knopp ©Geest-Verlag
Marie-Luise Knopp ©Geest-Verlag
 

Wenn die Mauersegler tanzen. Bunte Erinnerungen zwischen Mauerbau und Mauerfall.

Buchvorstellung und Gespräch mit der Autorin Marie-Luise Knopp und musikalischer Umrahmung

Im Leben aller Menschen gibt es belastende Erfahrungen, die schwer zu (er)tragen sind. Eine genauso weit verbreitete Erfahrung dürfte indes sein: Eine Last, die verteilt wird, wird tragbarer. Das gilt schon für den schweren Koffer, an den man bei einer fremden Person an der Bahnhofstreppe spontan einfach mit Hand anlegt. Dadurch entsteht nicht selten ein zwischenmenschlicher Kontakt, der nur sehr kurz andauern mag, der gleichwohl beide Seiten mit Bewusstsein zurücklässt: Ich bin nicht allein, ganz plötzlich kann jemand da sein, unerwartet, aber nicht unverhofft. Denn hoffen auf das Da-sein von anderen Menschen, das tun wir alle, wenn auch nicht immer offen, nicht einmal immer vor uns selbst eingestanden. Der »Koffer« kann indes auch ein großer Packen Erinnerungen im Kopf sein. Den kann man nur durch Erzählen »verteilen« und tragbarer machen. So ist von uns, vielleicht sogar häufiger als die Hand, das Ohr gefordert. Erzählen und Zuhören stiften nämlich auch das Bewusstsein: Ich bin nicht allein. Und vielleicht tauscht man bald die Rollen von Erzählendem und Zuhörendem.

Marie-Luise Knopp weiß das Vorstehende nicht schon längst als Mensch, Lehrerin und Therapeutin, sie hat es immer wieder in die Tat umgesetzt. Mit ihren Büchern in besonderer Weise hat sie »befreiendes Erzählen« praktiziert und – mindestens ebenso wichtig – andere Menschen dazu ermutigt, sich ihrerseits darin zu üben. Denn einfach ist das zuallermeist nicht, jedenfalls nicht am Anfang. 2018 erschien ihr erstes Buch des »befreienden Erzählens« über ihre eigene Haftzeit im DDR-Frauengefängnis Hoheneck, in das sie wegen »versuchter Republikflucht« gesperrt wurde, weil die SED-Diktatur ihr kein selbstbestimmtes Leben erlauben wollte. Jetzt liegt Marie-Luise Knopps inzwischen drittes Buch vor – und es geht wieder um das Teilen von Geschichten hinter der »großen« Geschichte. Es geht also, in gewisser Weise jedenfalls, um uns alle.
 

Eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und Heiko Hendriks, dem Beauftragten für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern der nordrhein-westfälischen Landesregierung