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Prof. PhDr. Jiří Pešek, CSc.
Prof. PhDr. Jiří Pešek, CSc.
 

Kooperation statt Konfrontation. Deutsch-tschechische Beziehungen in der Ersten Tschechoslowakischen Republik.

Zum 100. Jubiläum der erstmaligen Ernennung deutscher Minister in der tschechoslowakischen Regierung.

Vortrag von Prof. PhDr. Jiří Pešek, CSc.


Die Nationalitätenpolitik in der Ersten Tschechoslowakischen Republik wird bis heute teilweise kontrovers diskutiert. Der junge, im November 1918 im Zuge des Zerfalls der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs gegründete Staat, war stark durch die Verschiedenheit seiner Bevölkerungsgruppen geprägt: Die Tschechen stellten mit 8,8 Millionen Menschen nur knapp über 50 Prozent der rund 13,6 Millionen Menschen umfassenden Gesamtbevölkerung (1921). Gleich dahinter rangierten aber zahlenmäßig mit fast 23 Prozent die Deutschböhmen (»Sudetendeutsche«), das waren circa 3,3 Millionen Menschen. Die Slowaken folgten mit etwa 14 Prozent, Ungarn mit knapp 5,5 Prozent, Ukrainer (»Ruthenen«) und Russen mit etwa 3,4 Prozent sowie Polen mit rund 0,75 Prozent. Etwa 180.000 Menschen (1,3 Prozent) gehörten der jüdischen Minderheit an. Vor allem infolge der Vertreibung der Sudetendeutschen, die 1945 auf die Befreiung von der deutschen Besatzungsherrschaft seit 1938/39 und die Wiederherstellung der Tschechoslowakei folgte, wurde teilweise der Blick darauf verstellt, dass es auch moderate Akteure und Ausgleichsversuche in der Nationalitätenpolitik vor 1938 gab. Im Oktober 1926 wurden mit Robert Mayr-Harting (1874–1948) und Franz Spinak (1868–1938) erstmals zwei Angehörige der deutschen Minderheit als Minister in die Regierung in Prag berufen. Mehr als ein Jahrzehnt lang wirkten danach stets deutsche Vertreter in den tschechoslowakischen Kabinetten mit. Prof. Dr. Jiří Pešek beleuchtet dieses bemerkenswerte Kapitel der deutsch-tschechischen bzw. deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen. Er ist einer der renommiertesten tschechischen Experten für diesen Themenkreis.

Prof. Pešek hat seit 2000 den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Prager Karls-Universität inne und hat mehrfach Gastprofessuren in Deutschland ausgeübt, nicht zuletzt auch an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Er ist langjähriges Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen, darunter der Deutsch-Tschechischen Historikerkommission. Sein umfangreiches wissenschaftliches Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Bereits 2007 wurde er für seine Verdienste um die tschechisch-deutsche Verständigung mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

 

In Kooperation mit: Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Düsseldorf