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Blick auf Riga von der St.-Petri-Kirche aus, © Wikipedia
Blick auf Riga von der St.-Petri-Kirche aus, © Wikipedia
 

Vortrag: Grundlinien der Geschichte des Baltikums

Einführungsvortrag von Prof. Dr. Winfrid Halder zur gemeinsamen Studienreise mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e. V. nach Litauen und Lettland (02. bis 09. Juli 2026)
Offen für alle Interessierten


Wer im »Historischen Lexikon der deutschen Länder« von Gerhard Köbler blättert, das zuletzt im renommierten Wissenschaftsverlag C. H. Beck im Jahr 2019 neu aufgelegt wurde, mag manche Überraschung erleben. Der Untertitel des historischen Standardwerks lautet auch noch »Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart« – und dann findet sich da ein Beitrag zu Riga, zur heutigen Hauptstadt Lettlands also. Wenn man etwa von Schwedt an der Oder, heute wohl die äußerst nordöstliche größere Stadt auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Auto dorthin fahren möchte, hat man rund 1.200 Kilometer Strecke vor sich, sobald man direkt bei Schwedt die Oder überquert hat, durchweg über polnisches, litauisches und lettisches Staatsgebiet. Dennoch hat sich Gerhard Köbler natürlich  nicht geirrt, als er die Stadt in sein Handbuch aufnahm. Denn Riga verdankt seine Stadtgründung im Jahr 1201 dem aus der Nähe von Bremen stammenden Missionsbischof Albert von Buxhoeveden (um 1165–1229), dessen Statue sich folgerichtig bis heute am mächtigen Dom der Stadt findet. Albert soll auch den Grundstein der Kathedrale gelegt haben. Riga war darüber hinaus Hansestadt (seit 1282), wie Dortmund oder Soest oder Danzig oder viele andere einst oder immer noch deutsche Städte, alles bei Köbler nachschlagbar. Die Stadt an der Daugava (die nicht zufällig auch einen deutschen Namen, nämlich Düna hat) unterstand auch eine Zeitlang dem Deutschen Orden, hatte dann sogar einige Zeit den Status einer Freien Reichsstadt, was beispielsweise Köln nie unumstritten geschafft hat, im Unterschied zu Wangen im Allgäu etwa (siehe Köbler). Seit dem späten 16. Jahrhundert gehörte Riga zu Polen-Litauen, war dann seit 1621 fast ein Jahrhundert lang schwedisch, um anschließend an das Russische Zarenreich zu fallen. Was nichts daran änderte, dass in der Stadt hauptsächlich Deutsch gesprochen wurde. So war Deutsch natürlich auch die Muttersprache von Heinz Erhardt (1909–1979), der dort geboren wurde und aufwuchs. Als das deutsche Fernsehpublikum Erhardt 2007 auf Rang 2 der besten deutschen Komiker wählte, war die nicht ganz unkomplizierte Geschichte seiner Heimatstadt wohl den wenigsten bewusst – außer denen, die immer mal wieder im »Köbler« blättern. Aber deren Zahl sollte wohl nicht überschätzt werden. Vermutlich wurde bei der Kür Ehrhardts auch nicht besonders hervorgehoben, dass ein Onkel von ihm 1919 erster Finanzminister der gerade gegründeten unabhängigen Republik Lettland wurde, während Riga zugleich erstmals Hauptstadt Lettlands wurde.

Man könnte im »Köbler« weiterblättern und etwa feststellen, dass sich dort auch das heute litauische Tauroggen (Tauragė) findet, das hat nämlich einige Zeit zu Preußen gehört … Generell tut man gut daran, sich zu verdeutlichen, wie viel uns Deutsche mit der Geschichte unserer baltischen Nachbarn verbindet. Und dies über Jahrhunderte hinweg und nicht erst seit April 2025, als im litauischen Rukla mit der Panzerbrigade 45 der erste Großverband der Bundeswehr außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland stationiert wurde. Das hat sicherheitspolitische, aber auch historische Folgerichtigkeit. Man sollte nur wissen, warum. Wir versuchen gemeinsam, uns einen Überblick zu verschaffen.