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Siegfried Lenz (Bundesarchiv, B 145 Bild-F030757-0015 / Schaack, Lothar)
Siegfried Lenz (Bundesarchiv, B 145 Bild-F030757-0015 / Schaack, Lothar)
 

»Selbstversetzung« als literarisches Prinzip. Siegfried Lenz (1926–2014) zum 100. Geburtstag.

Vortrag mit Textbeispielen mit Dr. Katja Schlenker und Prof. Dr. Winfrid Halder

Am 17. März 2026 wäre Siegfried Lenz 100 Jahre alt geworden. Da lag der Tod des großen deutschen Schriftstellers allerdings schon mehr als ein Jahrzehnt zurück. Dennoch ist Lenz sicherlich noch immer einer der prominentesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Bezeichnend mag sein, dass sein erst 2016 posthum veröffentlichter, Anfang der 1950er-Jahre entstandener, aber wegen politischer Bedenken des Verlags damals unpubliziert gebliebener früher Roman »Der Überläufer« dann wochenlang die Bestsellerlisten anführte. Ungezählten Leserinnen und Lesern sind darüber hinaus bis heute Bücher wie »Deutschstunde« (1968) oder »Heimatmuseum« (1978) und viele mehr in lebhafter Erinnerung. Sie waren aufsehenerregend große Erfolge. Lenz zählte zu den führenden Autoren Deutschlands spätestens seit Beginn der 1960er-Jahre, an Prominenz und Renommée hat es ihm nicht gemangelt, auch wenn der mit ihm befreundete Kritiker Marcel Reich-Ranicki (1920–2013) manches zu bekritteln hatte. Lenz hat verschiedentlich betont, dass er mit der Methode der »Selbstversetzung« in Situationen schreibe, die dann seine literarischen Figuren zu durchleben hatten. Daher haben seine Bücher so gut wie immer mit Lenz‘ eigener Biographie zu tun, denn diese Situationen hatte es für ihn selbst oft so oder ähnlich gegeben. Dennoch hat Lenz über vieles, was sein persönliches Leben bestimmt hat, wenig direkt gesagt, ja über einiges hat er ausdauernd geschwiegen. So etwa über die Familie, in die er 1926 im ostpreußischen Lyck hineingeboren wurde. Auch seine Zeit als blutjunger Mensch im Kriegseinsatz bei der Kriegsmarine des NS-Staates hat Lenz eher indirekt aufscheinen lassen. Der Abend versucht eine Annäherung an den Menschen Siegfried Lenz, indem verstreute Äußerungen und knappe autobiographische Texte zusammengetragen und kommentiert werden.