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Menschen als Verhandlungsmasse.

Kriegsgefangene, verschleppte Zivilisten – wer bleibt zurück, wenn über Frieden verhandelt wird? Gesprächspanel

Wer von Frieden in der Ukraine spricht, spricht meist über Frontlinien, Sicherheitsgarantien und Gebietsfragen. Selten steht im Zentrum, wer in diesen Verhandlungen nicht am Tisch sitzt: die Kriegsgefangenen und die Zivilisten, die aus ihren Wohnungen verschleppt wurden. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten weiterhin in russischer Gefangenschaft.

Wir laden Sie herzlich zu einem Gespräch ein, das eine einfache und zugleich unbequeme Frage stellt: Wenn Verhandlungen laufen – wer wird mitverhandelt, und wer bleibt zurück?

Leitfragen des Abends
Was bedeutet es, wenn Menschenrechte und individuelle Schicksale in politischen Verhandlungen zu Verhandlungsmasse werden?
Wo liegen die Grenzen eines Friedens, der möglicherweise mit Zugeständnissen bei Fragen von Recht und Gerechtigkeit erkauft wird?
Wie kann verhindert werden, dass diejenigen, die in Gefangenschaft geraten oder verschleppt wurden, im politischen Prozess über ihren eigenen Köpfen hinweg verhandelt werden?

Auf dem Podium


Maksym Butkevych
Journalist, Menschenrechtler und ehemaliger Kriegsgefangener. Er studierte Philosophie in Kyjiw und angewandte Anthropologie an der University of Sussex, arbeitete für den BBC World Service und gründete eine Initiative, die Flüchtlinge und andere Zwangsmigranten in der Ukraine rechtlich und sozial unterstützt. Als überzeugter Pazifist trat er nach Beginn der Großinvasion der ukrainischen Armee bei. Im Juni 2022 geriet er bei Luhansk in russische Gefangenschaft und wurde im März 2023 von einem Besatzungsgericht zu 13 Jahren Haft verurteilt. Am 18. Oktober 2024 kam er nach 913 Tagen im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei. Seither widmet er sich dem Schutz von Kriegsgefangenen und widerrechtlich festgehaltenen Zivilisten. Im Februar 2025 berichtete er im Europäischen Parlament in Brüssel über seine Erfahrungen und forderte einen unabhängigen Kontrollmechanismus für die Haftbedingungen. 2025 wurde er vom Europarat mit dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis ausgezeichnet; im selben Jahr gründete er die Wohltätigkeitsstiftung »Principle of Hope«. 

Valerio Krüger
Sprecher des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) – Deutsche Sektion e. V. Er bringt die Perspektive der zivilgesellschaftlichen Menschenrechtsarbeit ein. Die IGFM wurde 1972 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Für politische Gefangene arbeitet sie unter anderem mit Patenschaften von Abgeordneten: Seit 2011 hat sie mehr als 200 solcher Patenschaften initiiert. In der Ukraine-Arbeit setzt sie sich gemeinsam mit ukrainischen Partnern für verschleppte Zivilisten ein, etwa mit einer Pressekonferenz in Frankfurt, auf der elf Einzelschicksale stellvertretend für rund 16.000 gefangene Zivilisten vorgestellt wurden.

Liusiena Zinovkina
Menschenrechtsaktivistin und Vertreterin der Organisation »Civilni Vilni«. Ihr Engagement ist untrennbar mit ihrer persönlichen Geschichte verbunden. Ihr Ehemann Kostiantyn Zinovkin wurde im Mai 2023 in Melitopol festgenommen; Zinovkina bezeichnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als absurd. Im Oktober 2023 wurde er im russischen Fernsehen vorgeführt, im November 2024 stand er vor einem Militärgericht in Rostow-na-Donu. Ein russisches Militärgericht verurteilte ihn im September 2026 zu 28 Jahren Haft. Zinovkina floh nach Deutschland und macht seither öffentlich auf das Schicksal der zivilen Gefangenen aufmerksam.

Moderation: Julia Chenusha, LL.M., Völkerrechtlerin und Mitgründerin und CEO von DUWir gGmbH. Als Juristin und Menschenrechtsaktivistin mit Erfahrung in Organisationsführung, Beratung und internationaler Zusammenarbeit stärkt sie die Verbindung zwischen Deutschland und der Ukraine. Für ihr Engagement im Bereich Demokratie und Zivilgesellschaft wurde sie 2024 mit der Ehrenamtsmedaille des Landtags NRW ausgezeichnet. 

Die Frage hinter den Verhandlungen
Persönliche Gefangenschaftserfahrung, menschenrechtliche Praxis und die Frage nach den rechtlichen Grenzen politischer Kompromisse werden in der öffentlichen Debatte meist getrennt behandelt. Gerade diese Begegnung erlaubt es, die abstrakte Verhandlungslogik an den Schicksalen zu messen, um die es geht.

Veranstalter: DUWir gGmbH in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus
Mit freundlicher Unterstützung von: Razom for Ukraine, Charitable Foundation »Principle of Hope«